Das Pferd wurde über mehrere Millionen Jahre von einer einfachen Umwelt geprägt. So ist es heute noch bestens an ein Leben in einer eher kargen Steppenlandschaft angepasst. Parallel veränderte der Mensch die Umwelt, über die industrielle Revolution bis hin in die Moderne maßgeblich, so dass es heute nur noch wenige ursprüngliche Areale gibt, auf denen Pferde in ihrer natürlichen Umgebung vorkommen. Durch die veränderte Situation kommen unsere Pferde heute mit einer Vielzahl an Stoffen in Kontakt, die in der Natur früher nicht vorkamen. Im Übermaß kann dies zu einer Überreaktion des körpereigenen Immunsystems führen, eine allergische Reaktion entsteht.
Eine dieser Allergien ist das Sommerekzem. Es handelt sich hierbei um eine chronische, wiederkehrende, saisonale allergische Dermatitis (Entzündung der Haut). In Deutschland waren in einer Untersuchung knapp 30 % der Islandpferde betroffen. In Island geborene und auf das europäische Festland importierte Islandpferde waren mit einer Häufigkeit von über 70 % betroffen. Prinzipiell können alle Pferderassen ein Sommerekzem entwickeln, wobei vor allem ursprüngliche Rassen, wie Kaltblüter, Araber, Iberer und einige Ponyrassen eher dazu neigen. Eine Allergie kann prinzipiell in jedem Alter auftreten, meist entsteht sie aber zwischen dem vierten und achten Lebensjahr.
| Bei Wildpferden wurden allergische Erkrankungen nicht beobachtet. In menschlicher Obhut häuft sich der Kontakt mit (potenziellen) Allergenen, sodass vermehrt Allergien, wie Sommerekzem oder Atemwegserkrankungen entstehen. |
Das Sommerekzem ist eine multifaktorielle Erkrankung, neben Umweltfaktoren spielen auch genetische Faktoren eine entscheidende Rolle. Die allergische Reaktion richtet sich auf ein Speichelprotein der Kriebelmücken (Simuliidae) und Gnitzen der Gattung Culicoides. Temperaturbedingt werden unsere Pferde hauptsächlich in den Monaten zwischen April und Oktober von Insekten befallen. Die schlimmsten Monate sind Mai, Juni und September, denn Mücken sind bei konstanten Temperaturen ab 10° C aktiv. Nur die weiblichen Mücken benötigen Blut als Nahrung. Sie beißen kleine Verletzungen in die Haut, um dann teilweise minutenlang Blut zu saugen. Bevorzugte Körperstellen sind die, an denen die Haut leicht zu erreichen ist. Dazu gehören Mähnenkamm, Wiederrist, Schweifrübe, Kopf, Bauchnaht Euter/Schlauchtasche und teilweise auch die Kruppe und Schulterpartie.
Zu den Symptomen gehören starker Juckreiz und Haarverlust mit teilweise entzündeten, nässenden Stellen sowie Krusten und Wunden. Der massive Juckreiz entsteht durch eine Allergie auf Proteine im Speichel der Kriebelmücken. Diese Proteine hemmen die Blutgerinnung, sodass die Mücke zum Blutsaugen genügend Zeit hat, bevor das Blut gerinnt. Auf welche Proteine genau die Pferde reagieren, ist bislang noch nicht hinreichend erforscht.
Psychischer Stress kann zu einer Überlastung des Immunsystems beitragen. Allergien werden so durch eine Häufung von Stressoren begünstigt, entstehen oft jedoch nicht in unmittelbarer Folge. Es kann einige Wochen oder gar ein ganzes Jahr dauern, bis sich eine Allergie manifestiert, daher gilt es Stress weitestgehend zu vermeiden. Besonders der Verlust seines sozialen Herdenverbandes bedeutet Stress für ein Pferd. Ein Stallwechsel bedingt einen Sicherheitsverlust beim Herden- und Gewohnheitstier Pferd. Psychischer Stress schwächt das Immunsystem, daher sind folgende Maßnahmen sinnvoll, um den Ausbruch von Allergien zu vermeiden:
Brinkmann, K., Fettelschloss-Gabriel, A. (2022): Das Sommerekzem – neue Ansätze in Diagnostik und Therapie. Pferdespiegel 2022; 25(03): 112-118 Georg Thieme Verlag KG
Lange, S., Hamann, H., Deegen, D., Ohnesorge, B., Distl (2005): Untersuchung der Prävalenz des Sommerekzems beim Islandpferd in Norddeutschland. Berliner und Münchner Tierärztliche Wochenschrift 118, Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover
Montes, L. F., Vaughan, J. T. (1985): Atlas der Hauterkrankungen des Pferdes. Schlütersche Verlagsanstalt. Hannover